Hl. Kreuz
Prozession mit dem kostbaren und lebensspendenen Kreuz
Gefeiert am 01. August

 

 

Der Ursprung dieses Gedächtnistages liegt in Konstantinopel, wo man, wohl seit dem sechsten Jahrhundert, die Reliquie des heiligen Kreuzes in der Zeit zwischen dem 1. August und dem Fest des Entschlafens der Gottesgebärerin am 15. August öffentlich zur Verehrung ausstellte, nachdem man sie am Vorabend des 1. Augustes aus der kaiserlichen Schatzkammer geholt und in einer feierlichen Prozession durch die Straßen und Plätze der Stadt getragen hatte. Man tat dies als Bittgang und Aufruf zum Gebet angesichts der Seuchen und Krankheiten, die sich vor allem in den heißen Sommermonaten verbreiteten.
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Ursprünglich ohne Zusammenhang zu diesem Kreuzgang fällt auf dasselbe Datum das Gedächtnis des Martyriums einer Gruppe von Juden, die unter dem Seleukiden-König Antiochus Epiphanes IV. (176-164) sich weigerten, ihren Glauben zu verleugnen und das jüdische Gesetz zu brechen. Da ihre Geschichte uns im zweiten Makkabäer-Buch überliefert ist (2 Mak 6,18-7,41), das den Makkabäischen Freiheitskampf der Juden beschreibt, nennt man die sieben Brüder, deren Martyrium hier berichtet wird, die ״makkabäischen Brüder", obwohl sie in keiner verwandtschaftlichen Beziehung zu den Makkabäern stehen. In ihrem Martyrium und dem Martyrium ihrer Gefährten sah schon der Hebräerbrief ein Glaubenszeugnis, das letztlich auf Christus hin geschehen ist und in Ihm seine Vollendung und Erfüllung finden wird (vgl. die Apostellesung des heutigen Tages). Der christliche Glaube zählt sie unter die ״große Wolke von Zeugen", ״die die Verheißung nicht" ,erlangten", ״weil Gott fiir uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns zur himmlischen Vollendung kommen sollten"(Hehr 12,1; 11,39-40). So sind sie uns Väter im Glaubenskampf und erinnern uns an alle unsere Vorfahren und Väter, die standhaft gegen widergöttliche Gewalt und tyrannische Machthaber ihren Glauben lebten und mit uns in der Gemeinschaft des Kreuzes verbunden sind.
Von daher ergibt sich nun aber eine Möglichkeit der Zusammenschau von Kreuzgang und Martyrergedächtnis, die zugleich ein tieferes Verständnis des Kreuzes, das im Kreuzgang verehrt wird, bringt: Es ist nicht nur das Siegeszeichen der Erlösung von Sünde, Krankheit und allen Übeln durch Christus, sondern ebenso das Zeichen der Verbundenheit mit all unseren Vätern und Brüdern, die ihr Leben im Kampf gegen die widergöttliche Gewalt eingesetzt haben und ein Zeichen der Hoffnung auf gemeinsame Vollendung und Erlösung in Christus über Konfessionsunterschiede hinweg (— die Makkabäischen Blutzeugen waren ja Juden, die um des Bekenntnisses zum Gesetz willen ihr Martyrium erlitten —). Im Kreuze Christi nämlich wird jetzt Kreuz und alles Lei-den geheiligt und zum Unterpfand des ewigen Lebens und der bleibenden neuen Gemeinschaft in Christus über alle vordergründigen Grenzen und menschlichen Beschränktheiten hinweg.

Tropar, 1. Ton
Rette, Herr, Dein Volk und segne Dein Erbe! Verleihe Deinen Gläubigen Sieg über ihre Widersacher und behüte Deine Gemeinde mit Deinem Kreuz!