Hll. 12 Apostel
Mitfest der 12 Apostel
Gefeiert am 30. Juni

 

 

Wie sehr Petrus und Paulus als exemplarische Versinnbildlichungen (typoi) aller Apostel verstanden werden müssen, zeigt auch das Mitfest ihrer Feier an, wo der "Zwölf" gedacht wird, die der Herr Selbst als Augenzeugen Seines Lebens, Seiner Verkündigung, Seines Todes und Seiner Auferstehung erwählt hat. Diese Zwölf hat Er auch als erste Boten Seines Evangeliums ausgesandt, ausgerüstet mit der Vollmacht, Kranke zu heilen, Tote zu erwecken und Dämonen auszutreiben (Mt 10,8), Sünden zu vergeben oder zu behalten (Mt 18,18). Gerade in bezug auf diese letztgenannte ״Löse- und Bindegewalt" (Absolutionsgewalt des Mysteriums der Buße) unterscheidet sich die Vollmacht der Zwölf in nichts von der des Petrus (Mt 16,19), wie ein Vergleich der beiden einschlägigen Stellen (Mt 16,19 und Mt 18,18) zeigt. Denn auch in Mt 16,13-20 gilt die Verheißung des Herrn allen Jüngern, deren Sprecher Petrus ist (vgl. Mt 16,15), indem er für alle das Bekenntnis ausspricht, dessen Inhalt allein das Fundament (der Fels) der Kirche darstellt. Demgemäß steht Petrus rangmäßig nicht über den anderen Aposteln, erhält von Christus keine Sondervollmacht, keine besondere Jurisdiktionsgewalt. Und wie die Apostel, so sind in ihrer Nachfolge auch alle Bischöfe nach orthodoxer Tradition in gleicher Weise mit der gleichen Vollmacht des Apostolates ausgestattet. Es gibt also kein Petrusamt in der orthodoxen Tradition.
Was aber die Zahl der „Zwölf“ betrifft, so ist sie in der Alten Kirche als symbolische Zahl verstanden worden, nicht als eine historisch feststellbare numerisch begrenzte Personenanzahl. Das zeigt sich schon daran, dass in ikonographischen Zeugnissen sehr oft auch Paulus im Kreise der Zwölf anzutreffen ist, was historisch gesehen absurd wäre. Die Zahl "Zwölf" bezieht sich auf die Vollzahl der Stämme Israels und schließt damit auch ein eschatologisches Moment ein, gemäß dem Wort des Herrn Mt 19,28 und Lk 22,30: ,Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch: Ihr, die ihr Mir nachgefolgt seid, werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf dem Throne Seiner Herrlichkeit sitzen wird, auch auf zwölf Thronen sitzen, um die zwölf Stämme Israels zu richten".
Gerade auch aus diesem Herrnwort wie aus vielen anderen einschlägigen Schriftstellen und Eigentexten zu diesem Fest wird deutlich, dass die ״Zwölf Apostel" für alle Apostel stehen, zu denen im übrigen nach ältester biblischer und kirchlicher Tradition auch Frauen gehört haben, etwa Maria Magdalena (Joh 20,17-18), die „Apostelgleiche" und vielleicht auch Junia (Rm 16,7). Gefeiert werden die Apostel in den Eigentexten dieses Festes vor allem als mächtige Fürbitter und als Friedensbringer und Versöhner mit Gott, was biblische Anschauungen aufnimmt (vgl. Briefanfänge z. R Phil 1,1-10, aber auch 2 Kor 5,18 -21) und zeigt, dass es bei der Verkündigung des Evangeliums nicht so sehr darum geht, mit Wortgewandtheit und Uberzeugungskunst Lehren und Ideen über Gott und Welt zu vermitteln, als vielmehr darum, im Gebet und im Einstimmen in die himmlische Feier der Mysterien den der Christenheit aufgetragenen Dienst der Versöhnung zu leisten und so den Frieden Gottes und das Heil in die Welt zu tragen.