Hochfest der Kreuzerhöhung
Gefeiert am 14. September

 

 

Das Hochfest der Kreuzeserhöhung markiert eine Zeitenwende im orthodoxen Kirchenjahr: Hier schlägt die nachpfingstliche Zeit der Erfüllung um in die vorösterliche Zeit der Erwartung. Signalisiert wird dies im besonderen durch die neue Reihe der Evangeliums-Perikopen aus dem Lukasevangelium. Das Fest selbst ist aus einem Mitfest der Kirchweihe der am 13. September 335 geweihten Auferstehungsbasilika (Grabeskirche) in Jerusalem entstanden und wurde bereits am Ende des vierten Jahrhunderts daselbst begangen. In der Oikumene verbreitet es sich, nachdem Kaiser Herakleios am 03. Mai 628 die Reliquie des heiligen Kreuzes von den Persern zurückerobert hatte. Die Festlegende schreibt die Auffindung des kostbaren und lebenspendenden Kreuzes beim Bau der Auferstehungskirche in Jerusalem (326 n. Chr.) der Kaiser-Mutter Helena zu.
Eine Besonderheit dieses Festes ist die Zeremonie der Kreuzeserhöhung, die nach dem Orthros stattfindet, und in der ein blumengeschmücktes Kreuz in einer Prozession durch das Kirchenschiff getragen wird. Gemäß dem älteren slawischen Brauch hebt der Zelebrant nach allgemeinen Fürbitten unter „Kyrie-eleison-Rufen“ von Chor und Volk das Kreuz langsam von handbreit über dem Boden nach oben und erteilt damit den Segen, und zwar in alle vier Himmelsrichtungen. Danach folgt eine Verehrung des Kreuzes durch Klerus und Volk. Der Sinn dieser Zeremonie, wie des ganzen Festes, ist die Verkündigung von Kreuz und Auferstehung Christi in alle Welt und die Anrufung des Herrn durch alle Völker. Dabei wird in den Stichiren von Vigil und Festprozession die Heilsdimension des Kreuzes mittels biblischer Vorabbildungen auf mannigfache Weise ausgelotet, beispielsweise:

  • Der Baum im Garten Eden: Am Kreuz sprießt das neue Leben des himmlischen Paradieses (Gen 2: 9-15)
  • Die Arche Noah: Das Holz des Kreuzes rechtfertigt und rettet die Sünder, bewahrt sie von den Wassern des Todes und birgt sie in der neugestalteten Welt Gottes (Gen 6:9 – 9:17)
  • Jakob kreuzt die Arme, um die Söhne des Joseph zu segnen: Aller Segen geht vom Kreuz aus (Gen 48: 8-20)
  • Mose streckt seine Arme aus, um das Rote Meer zu öffnen und zu schließen: Der Gekreuzigte öffnet durch sein Pascha den Weg in das Reich Gottes und verschließt die Pforten der Unterwelt (Ex 14: 21-29)
  • Mose wirft Holz in die Quelle von Mara, um ihr die Bitterkeit zu nehmen: Das Holz des Kreuzes nimmt die Bitterkeit des Todes (Ex 15: 25-26)
  • Mose schlägt mit dem Holz seines Stabes auf den Felsen, aus dem sogleich Wasser hervorströmt: Wunderbares Leben entspringt dem Kreuz des Herrn (Ex 17: 1-7)
  • Der Stab Aarons erblühte: Am Kreuzesholz erblüht uns das Hohepriestertum Christi (Num 17: 1-10)
  • Die eherne Schlange wurde in der Wüste auf einem Pfahl erhöht, so dass jeder von einer Schlange Gebissene, der sie anschaute, nicht starb, sondern am Leben blieb: Wer auf den gekreuzigten Christus schaut und an ihn glaubt, wird nicht sterben, sondern das ewige Leben haben (Num 21: 4-9; Joh 19: 37)
  • Das Volk Israel lagerte am Berg Sinai kreuzförmig um das Bundeszelt: Das Kreuz ist die Lebensordnung des neuen Gottesvolkes (Num 2: 3-31)

Alle diese und viele weitere Bilder wollen deutlich machen, dass das Kreuz Christi, d.h. sein Tod und seine Auferstehung, die Mitte des Heilsgeschehens und der christlichen Existenz ist und dass es als Mitte angenommen und verkündigt werden muss.

Tropar, 1. Ton
Rette, Herr, Dein Volk und segne Dein Erbe! Verleihe Deinen Gläubigen Sieg über ihre Widersacher! Und behüte Deine Gemeinde mit Deinem Kreuz!

Kondak, 4. Ton
Der Du freiwillig auf das Kreuz Dich erhoben, Christus Gott, schenke Dein Erbarmen Deiner neuen nach Dir genannten Gemeinde. Stärke alle, die für sie Verantwortung tragen mit Deiner Kraft! Gewähre Sieg über das Böse, Frieden in Deiner Gemeinschaft durch die Waffe des Kreuzes, des unüberwindlichen Siegeszeichens!

 

 

INTERESSANTES UND WISSENSWERTES

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Im Glossar finden Sie wichtige Fachbegriffe, die für das Verständnis der Gottesdienste hilfreich sein können.

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Der Schmale Pfad. Orthodoxe Quellen und Zeugnisse. Vierteljährlich erscheinende Schriftensammlung mit Materialien zum orthodoxen Christentum, herausgegeben von Johannes Alfred Wolf.

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Eine Klosterkirche entsteht. Der Klosterhof der Spyridon-Skite baut in Unterufhausen eine Klosterkirche zu Ehren der Verkündigung und des hl. Justin von Celije. Spenden für den Kirchbau werden erbeten.

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Paterikon

"Paterikon" - eine Kinderbuchreihe des Potamitisverlags, die in verschiedenen Sprachen erhältlich ist und kleine Geschichten aus dem Buch der Väter, der Heiligen und aus dem Kirchenjahr vorstellt.

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